Nieder-Olm, den 12. August 2008
FOTOS VOL. 2
Hier noch ein paar nachgereichte Dokumente:
Einmal mein offizieller "Ein Herz für Hessen"-Tour-Pass, den ich mir an jeder Station habe stempeln lassen. Eigentlich wollte ich mir in jedem Rathaus einen Stempel geben lassen. Aber oft genug waren die Ämter schon zu, weil ich nachmittags oder an einem Sonntag eintraf. Also hab ich kurzerhand auch mal von inoffizieller Seite mir bestätigen lassen, daß ich "hier" war:
1. Unterschrift von Hanaus OB Claus Kaminsky
2. Hitradio FFH
3. Schloss Bad Homburg
4. Tourismuszentrale Bad Nauheim
5. Poststempel des Postamts Reichelsheim
6. Magistrat der Stadt Ortenberg
7. Magistrat der Stadt Büdingen
8. Eiscafé Pillot in Wächtersbach
9. Kaiserpfalz Gelnhausen
10. Tourist-Info Seligenstadt

Vorderseite

Rückseite
***
Außerdem hat FFH-Reporter Daniel noch nach dem Interview zwei Fotos vor dem FFH-Studio in Bad Vilbel gemacht:
Nieder-Olm, den 9. August 2008
FOTOS!
Anbei einige Impressionen von der "Ein Herz für Hessen"-Tour. Einige Aufnahmen sind mit Handy-Kamera fotografiert, bitte die mindere Qualität zu entschuldigen.

Foto-Session 1
Pressetermin mit Hanaus OB Claus Kaminsky

OB gibt noch einige Tipps mit auf den Weg

Start!
Innenhof im Sprudelhof Bad Nauheim

Wasserspendende Nixe - gesichtet im Sprudelhof Bad Nauheim
Schrebergarten mit Herz (bei Ortenberg)
Strassenlaterne in Ortenberg

Schwanen-Idylle in Stammheim
Traktoren-Garage des Traktoren-Vereins Stammheim e.V.
Straussenähnlicher Geselle bei Ortenberg
Getreide-Rollen irgendwo in Hessen
Nieder-Olm, den 8. August 2008
Morgen folgen noch einige Fotos!
EPILOG oder DAS ORAKEL VON NAVIGON
Gelnhausen. Halb zehn Uhr morgens. Die Sonne brennt. Vierter und letzter Tag der "Ein Herz für Hessen"-Tour.
Der Hoteldirektor hat freundlicherweise erlaubt, das Rad in einem abgesperrten Schuppen unterzustellen. Letzte Griffe, bevor es wieder losgeht.
Doch irgendwie ist plötzlich die Luft raus. Nein, nicht bei mir, sondern am Vorderreifen. Ein klassischer Plattfuss. Und nun? Ich habe kein Flickzeug dabei.
Der Autoreifenhändler auf der anderen Seite der Straße kann mir nicht helfen. Aber immerhin kennt er einen Fahrradhändler, am Stadtausgang. Also wieder einmal schieben, zwei Kilometer. Und dann das: Am Eingang hängt ein Schild: "Mittwoch Ruhetag". Doch glücklicherweise erreicht zur selben Zeit ein älterer Herr die Werkstatt und weist zum Hintereingang. "Mal da hinten probieren, vielleicht ist der Chef ja da." Und tatsächlich, man hört ein Hämmern und Sägen. Ein Mitarbeiter im Blaumann nimmt sich sofort meines Rades an und macht sich am Vorderrad zu schaffen. Währenddessen komme ich mit dem älteren Herrn, er stellt sich mir als "Klaus" vor, ins Gespräch.
Eine halbe Stunde später radeln wir gemeinsam auf einem breit angelegten Fahrradweg stadtauswärts. Klaus wohnt zwei Orte weiter und hat sich spontan entschlossen, mir Gesellschaft zu leisten. Soweit das durch den Fahrtwind möglich ist, versuche ich, Klaus' Ausführungen zu folgen. Nachdem er mir zwanzig Minuten lang sämtliche möglichen Wege-Variationen erklärt hat, wie ich am besten und einfachsten oder am schönsten und beschaulichsten nach Seligenstadt komme, erzählt er mir noch aus seinem Leben. Geborener Fuldaer, dann bei Mercedes hier in der Gegend Kfz-Meister und jetzt im - O-Ton Klaus - "Unruhestand".
Dann erreichen wir den Heimatort von Klaus. Am Ortsausgang erklärt er mir "sicherheitshalber" noch einmal, welchen Weg ich seiner Meinung nach nach Seligenstadt nehmen sollte.
Und so geht es weiter durch Felder und Auen und Wälder. Und während ich noch sinniere, welchen von Klausens Varianten mir am ehesten zusagt, habe ich mich schon (wieder) verfahren. Stehe mitten in einem Wald an einer Weggabelung. Mist! Auf meiner Karte ist dieser Abschnitt nicht verzeichnet, also bin ich einmal mehr auf fremde Hilfe angewiesen. Ein radelndes Ehepaar kommt mir gerade recht. Der Göttergatte ist bestens ausgerüstet. Auf seinem Lenker hat er nicht eine normale Karte montiert (wie bei Spielmannszügen auf dem Instrument), sondern ein richtiges Navi mit großem Display. Aber die Enttäuschung folgt auf dem Fuß. Als wir das Orakel von Navigon befragen, gibt eine freundliche weibliche Automatenstimme zur Antwort: "Sie befinden sich auf einer nicht ditigalisierten Strasse. Bitte wenden."
Der Herr entschuldigt sich vielmals, seine Frau weiß auch nicht weiter, und so wechseln wir noch ein freundliches "Nen schönen Tag noch", ehe die beiden hinter der nächsten Wegbiegung verschwinden.
So würde ich wohl heute noch da stehen, ein "Marry Man-lein" im Walde, ganz still und stumm....wenn da nicht ein Förstersmann gewesen wäre, dem ich meine Karte zeigte. Und endlich hatte ich Glück. Der Mann war bestens ortskundig.
Und wenig später stand ich mit meinem Rad am Mainufer von Großkrotzenburg. Jetzt galt es nur noch, über den Fluß zu gelangen. Etwas weiter vorne gab es eine Schleuse, über die ein Fußweg führte. Doch halt - Seligenstadt lag im Rücken. Ich war zu weit in den Norden gekommen! Was tun? Umdrehen? Noch mal fünf Kilometer Richtung Süden? Und dann? Nach Seligenstadt würde eine Fähre führen. Andererseits war die Zeit knapp. In gut zwei Stunden war ich in Hanau mit Eberhard - einem der Mitfahrer vom ersten Tag - verabredet, der mich zum FFH -Studio fahren würde, um den Interview-Termin nachzuholen.
Schließlich siegte der Ehrgeiz: Seligenstadt stand auf dem Plan, und ich wollte nicht nach Hause zurückkehren, ohne mir dort einen Stempel für meinen Tour-Pass geholt zu haben.
Die Fähre war glücklicherweise gerade bereit zum Ablegen, und bald darauf hatte ich den südlichsten Punkt meiner Reise erreicht. Von hier aus war der Rest ein Kinderspiel. Etwa in Höhe von Schloss Philippssruhe gab es eine weitere Schleuse, über die man das rechte Mainufer erreichen konnte. Eberhard stand schon mit dem Wagen an der Straße. Eine halbe Stunde später waren wir in Bad Vilbel bei FFH. Hier war man - im Gegensatz zum ersten Versuch vor vier Tagen - über meinen Besuch informiert, und Daniel, ein Praktikant, stand schon mit Reporter-Ausrüstung bereit fürs Interview. Zum Abschied gab es noch ein Foto vor dem FFH-Studio für die FFH-Website, und ein hübsches Mädel mit graugrünen Augen vom Empfang drückte mir einen FFH-Stempel in meinen Tourpass. Sie wollte dann noch wissen, was ein "Marry Man" sei, und als ich ihr von meiner Aktion erzählte, fragte sie noch, ob ich in meinem Serviceangebot auch potentielle Kandidaten zum Heiraten hätte, die ich ihr vermitteln könnte. Leider konnte ich in diesem Fall nicht helfen, aber zumindest hätte sie ja jetzt in mir jemanden als Trauredner, falls sie irgendwann den Mann des Herzens gefunden hat.
Jetzt ging es noch schnell mit dem Auto nach Gelnhausen - Eberhard war so freundlich, mich dort hinzubringen, um das im Hotel zurückgebliebene Gepäck abzuholen (mein Vater war diesmal verhindert).
Und dann der letzte Akt: Punkt 18.00 Uhr fanden wir uns nochmal am Historischen Karussell ein. Dort, wo vor vier Tagen alles begonnen hatte. Die Schatten waren schon lang, weit und breit keiner zu sehen, also konnten wir wenig später guten Gewissens wieder fahren.
Auf zum Hanauer Hauptbahnhof: Mitsamt Gepäck und Rad ging es im Regionalzug nach Mainz, und dann - nach einer Stunde Zwangsaufenthalt wegen Zugverspätung - nach Nieder-Olm.
Heute mittag habe ich das Wunderrad an Boris zurückgegeben. Nun bin ich erstmal wieder radlos...aber glücklich über das Erreichte.
Mein Dank gilt all den Menschen, die mich bei diesem Projekt unterstützt haben. Ohne ihre stete Ermutigung, ihre Ratschläge und Tipps hätte diese "Ein Herz für Hessen"-Tour nie stattgefunden.
Und vielleicht gibt es ja nächstes Jahr eine Fortsetzung.
Etwas habe ich in diesen vier Tagen gelernt und erfahren: Hessen ist ein wunderschönes Fleckchen Erde - vor allem traumhafte Kulissen für Hochzeiten. Und ich würde mir wünschen, daß ich mit meiner Aktion bei dem einen oder anderen etwas vermitteln konnte: daß man etwas dafür tun muss (und kann!), daß diese Kulturstätten noch lange erhalten bleiben!
In diesem Sinne,
herz-hafte Grüsse,
Christoph
Nieder-Olm, den 6. August 2008, 22.58 Uhr
IM ZIEL!!!
Es ist geschafft. ICH bin geschafft. Nach einem wahnsinnig spannenden Tag bin ich eben gerade glücklich zuhause angekommen.
Morgen gibt es Details. Bitte habt Verständnis, daß ich nur noch drei Dinge erledigen möchte: Duschen, eine große Apfelsaftschorle austrinken, und dann ab in die Federn.
Bis morgen und viele Grüße,
Christoph
Gelnhausen, den 5. August 2008, 19.45 Uhr
HECHTSHEIM, ICH HABE EIN PROBLEM oder ANKOMMEN IST DAS ZIEL
Der Blick aus dem Hotelzimmerfenster heute früh versprach einen perfekten Tag. Lieblich schimmerte die Morgensonne über Ortenberg, der Kaffee duftete schon aus dem Frühstücksraum, und der Krampf im Oberschenkel von heute nacht hatte sich auch verflüchtigt.
So startete ich sogar eine Stunde früher als geplant. Etwas Bauchweh hatte ich, denn der heutige Abschnitt war so etwas wie die Königsetappe der "Herz"-Tour. Auf der Landkarte sah alles so schön flach und gleichmässig aus, was sich in der Realität als äusserst steil erwies, teilweise mit 20 Prozent Steigung.
In Büdingen hatte ich mich mit meinem Vater zu einem kleinen Wiedersehen verabredet. Die letzten Tage war er von Hotel zu Hotel gefahren und hat mein Zusatzgepäck zur jeweils nächsten Station gefahren. So blieb Zeit für einen kleinen Stadtspaziergang und ein Mittagessen in der Altstadt. Und nachdem ich gerade gestern lange Zeit allein unterwegs war, war diese Gesellschaft eine schöne Möglichkeit, sich über das Erlebte auszutauschen.
Danach ging es allein weiter, und zwar steil bergauf. Umso mehr freute ich mich auf die Abfahrt hinunter nach Wächtersbach. Endlich entspannen, während der Fahrtwind um die Ohren pfeift und der Wald zur Linken und zur Rechten vorbeihuscht.
Doch es kam anders:
Etwa fünf Kilometer vor dem Ziel begann das Rad plötzlich eigenartig zu schlingern. Ich schob es erst auf die Fahrbahn, aber es wurde immer heftiger, dabei waren die Reifen vollgepumpt. Endlich wurde mir das ganze doch zu gefährlich. Also abgestiegen und nachgesehen. Ein Blick auf das Hinterrad zeigte die Ursache: Mehrere Speichen hatten sich von der Halterung an der Felge gelöst und hingen zur Seite.
Was tun? Am besten Boris anrufen: "Hechtsheim, ich habe ein Problem." Nach einer kurzen Ferndiagnose riet mir Boris, ein Fahrradgeschäft aufzusuchen. Es blieb nichts anderes übrig, als das Rad zu schieben, zwei Kilometer lang, dann endlich war Wächtersbach erreicht.
Der Fahrradhändler war dann schnell ausgemacht. Und während er sich an dem Rad zu schaffen machte, vertrieb ich mir die Zeit, im Ort ein paar Flyer zu verteilen und mich in ein Eiscafe zu setzen, um den Schrecken in einer Apfelsaftschorle und einem Cappuccino zu ertränken. Fehlte ja noch mein Etappenstempel in meinen Tour-Pass. Da das Rathaus schon Dienstschluss hatte, holte ich mir den Stempel einfach im Eiscafe. Den bekam ich aber erst, nachdem die Mitarbeiterin beim Chef telefonisch nachgefragt hatte. Sie war in Sorge, daß ich ihr insgeheim damit Waschmaschinen oder ähnliches andrehen wollte.
Inzwischen war das Rad wieder fahrbereit.
Bevor es weiter nach Gelnhausen ging, wollte ich mir noch einen Herzenswunsch erfüllen und der Witwe des berühmten Wagner-Sängers Manfred Schenk, einen Besuch abstatten. Vor über zehn Jahren hatte meine Großmutter, die mit den Schenks bekannt war, einen Vorsingtermin bei Herrn Schenk vereinbart, und dieses Erlebnis ist mir noch immer sehr gegenwärtig. Zudem bekam ich damals auf Vermittlung von Manfred Schenk eine Karte für die Bayreuther Festspiele. Wer schon einmal versucht hat, an Karten zu kommen, wird begreifen, was für ein besonderes Glück dieser Umstand bedeutete. Leider war Frau Schenk nicht zuhause, aber ich wollte es zumindest versucht haben. Und so ließ ich über die Dame, die das Haus hütete, viele Grüße bestellen.
Der Rest ist schnell erzählt: Der wunderschöne Fahrradweg von Wächtersbach nach Gelnhausen war eine Wohltat für meine strapazierten Oberschenkel, die Sommersonne tat das Übrige, um die Stimmung aufzuhellen.
Und dann hatte ich noch das besondere Vergnügen, daß die Mitarbeiterin in der Kaiserpfalz mir die Türen noch einmal aufsperrte, sodaß ich mir die weitläufige Anlage in Ruhe und ganz allein anschauen konnte. Eine so friedliche Atmosphäre unter den hohen Bäumen, eingerahmt von jahrhunderte alten Mauern. Hier würde ich gerne mal ein Brautpaar trauen.
Jetzt gleich bin ich mit einem meiner Hochzeitspaare verabredet. Wir treffen uns zum Abendessen am Obermarkt, und ich kann es kaum erwarten, ein riesengrosses RADLER zu trinken.
Auf euer Wohl.
Morgen ist das große Finale.
UND: FFH hat sich gemeldet und mir ein Interview zugesagt!! Ich werde also nochmal einen Umweg über Bad Vilbel fahren, ehe es um 18.00 Uhr zum Ausklang der Tour zurück zum Karussell in Hanau geht.
Viele Grüsse,
Christoph
Ortenberg, den 4. August 2008, 22.15 Uhr
BLITZ-TELEGRAMM
gluecklich in ortenberg angekommen ++ stopp++ insgesamt netto-fahrzeit 8 stunden ++ stopp ++ popo schmerzt ++ stopp ++ kleiner zwischenfall wegen herausgesprungener fahrradkette ++ stopp ++ wetter bilderbuchmaessig ++ stopp ++ viele gespraeche mit leuten unterwegs ueber die aktion ++ stopp ++ morgen vormittag weiter richtung waechtersbach und gelnhausen ++ stopp ++ ortstermin kaiserpfalz und anschliessend treffen mit einem meiner brautpaare ++ stopp ++ gute nacht ++ stopp
Bad Homburg, den 3. August 2008, 20.30 Uhr
LOS GEHT'S oder: MARRY MAN ANTE PORTAS
Die erste Etappe ist erreicht. Bad Homburg.
Ich sitze gerade in einem kleinen Internet-Café in der Fußgängerzone. Versuche, die vielen Eindrücke des Tages zu sortieren.
Körperlich fühle ich mich gut, erstaunlicherweise tut der Rücken (vom Rucksack) mehr weh als die Beine. Das Training in den letzten Wochen scheint sich ausgezahlt zu haben. Und sooo weit war es ja nun auch nicht.
Aber ganz von vorn:
Um 6.00 Uhr klingelte heute früh der Wecker. Packen, letzte Kontrolle, ob ich auch wirklich an alles gedacht habe. Vor allem fehlte ja noch das Fahrrad!
Es war alles genau geplant: Mein Vater hatte sich freundlicherweise zur Verfügung gestellt, mich während der Tour logistisch zu unterstützen. Also Gepäck von Station A nach Station B zu bringen, das ich nicht unterwegs tragen kann. So eine Tour-Begleitung ist das A und O, und dafür bin ich ihm sehr, sehr dankbar.
Zunächst aber mußte es nach Mainz-Hechtsheim gehen. Für 9.30 Uhr hatte ich mich dort nämlich mit Boris Latsch von FRM Deutschland zur Übergabe des Bikes verabredet. Als wir ankamen, war von Boris keine Spur. Ein Anruf brachte die Lösung: Der Gute hatte den Wecker nicht gestellt. Und außerdem war noch irgendetwas am Hinterrad zu schrauben, das würde eine halbe Stunde dauern.
Aber alles halb so schlimm, denn Start würde in Hanau ja erst um 13.30 Uhr sein. Während der Nachwuchs in der Werkstatt herumwuselte, nutzten wir die Zeit für eine Tasse Kaffee, zwischendurch erklärte Boris die wichtigsten Funktionen des Rades.
Ich bin Boris superdankbar, daß er mir eine solche Wundermaschine für die Tour zur Verfügung gestellt hat. Das Rad ist wirklich vom Feinsten - technisch und optisch. Und wiegt fast nichts. Damit auch wirklich nichts passiert, steht es übrigens gerade im Hotelzimmer.
Aber weiter im Text:
Pünktlich um 12.30 Uhr kamen wir in Hanau-Wilhelmsbad an, wo am historischen Karussell für 13.00 Uhr die Pressekonferenz vorgesehen war. Und es kamen tatsächlich Pressevertreter. Die Fotografin von der Frankfurter Rundschau schlug vor, ein Motiv auf dem Dach des von außen verkleideten Karussells zu schiessen. Und dann hatte sich ja auch der Hanauer OB Claus Kaminsky angesagt. Gemeinsam mit Christian Rusch von der Stiftung Denkmalschutz posierten wir für ein Foto, Herr Kaminsky gab mir gute Wünsche mit auf den Weg und unterschrieb in meinen Rad-Tour-Pass, den ich während der Tour immer bei mir habe.
Damit ich auf diesem ersten Abschnitt nicht ganz allein unterwegs war, hatten sich zwei Ehepaare netterweise bereit erklärt, mitzufahren. Und so radelte unser Quintett mit leichter Verspätung um 13.45 Uhr los Richtung Bad Vilbel.
Die Strecke war teilweise durchaus anspruchsvoll, wenn ich an den sogenannten "Hühnerberg" denke, der auf die Höhenstrasse führt, eine der meistbefahrenen Radstrecken Deutschlands, mit wunderbarem Blick auf Frankfurt und auf der anderen Seite auf den Spessart. Dieser Abschnitt ist übrigens auch Teil des Frankfurter "Iron Man", wovon nicht zuletzt die vielen bunten und witzigen Schritzüge auf der Fahrbahn, teilweise noch vom Vorjahr, zeugen.
Wir fuhren zügig, denn um 15.00 Uhr hatte ich mich bei Hitradio FFH angesagt. Das FFH-Studio liegt mitten im Kurpark in Bad Vilbel, und eine kleine Pause schien uns willkommen. Als am Empfang niemand zu sehen war, machte ich mir noch keine Gedanken. Als aber auf mehrmaliges Klingeln niemand öffnete, rief ich im Studio über Handy an. Bis auf eine Wochenend-Besetzung war niemand im Studio. Offensichtlich hatte die Chefin vom Dienst meine Pressemitteilung nicht erhalten. Jedenfalls war sie äußerst irritiert und hatte vom "Marry Man" noch nichts gehört, wollte sich aber gleich wieder telefonisch melden, aufmachen dürfe sie uns leider nicht. So setzten wir uns auf eine Bank vor dem Studio und stärkten uns mit Fitness-Keksriegeln und Mineralwasser. Nach fünf Minuten klingelte es auf dem Handy, es war die FFH-Mitarbeiterin, die mir mit Bedauern mitteilte, daß es diesmal nichts würde. Auch den heißersehnten Stempel in mein Tour-Pass könnte sie mir nicht geben. Ob ich es morgen nochmal versuchen könnte, da seien dann auch Redakteure da, die eventuell ein kleines Interview machen könnten.
Tja, so geht's halt manchmal. Werde morgen ganz früh bei FFH anrufen und fragen, wie wir eventuell doch noch zusammenfinden, ohne daß mein Zeitplan durcheinander gerät.
Der weitere Streckenverlauf war unspektakulär, aber landschaftlich reizvoll. Der Radweg führte an kleinen Bachläufen vorbei, dann weiter an Schrebergartensiedlungen. Und wie eine Versuchung wehte der Wind Schwaden von Grillfleischduft herüber, während wir eifrig weiterstrampelten, das Ziel Bad Homburg vor Augen.
Und dann, auf die Minute genau, um 17.00 Uhr erreichten wir den Kurpark in Bad Homburg. Der Park war voller Leute, echte Volksfest-Atmosphäre. Eine Beatles-Coverband spielte, vor den Würstchenbuden bildeten sich lange Schlangen. Allerdings, nirgendwo war ein Platz mehr frei für fünf müde Radrecken.
Also entschieden wir uns für ein ruhigeres Fleckchen in der Nähe der Fußgängerzone. Hier gab es das, wonach wir so sehr suchten: Eine riesengroße Apfelsaftschorle und ein saftiges Wiener Schnitzel.
So saßen wir noch eine ganze Weile beisammen, der Eberhart und die Ingeborg, der Ludger und die Birgit und ich, der Marry Man. Dann trennten sich unsere Wege, meine Gefährten würden im nächsten Ort ihr Auto nehmen und die Räder dranschnallen.
Ich machte mich auf in mein Hotel am Kurpark, sehr lauschig gelegen. Habe mich lange nicht mehr so nach einer heißen Dusche gesehnt. Jetzt wartet ein Bike und ein Bett auf mich.
Morgen ist ein neuer Tag.
Der Wetterbericht vorhin im Fernsehen meldet wechselhaftes und teilweise regnerisches Wetter.
Mir egal. Solange meine Flyer nicht nass werden mit dem Spendenaufruf zugunsten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.
Bis morgen abend dann, wenn ich mich aus dem Städtchen Glauburg melde. Drückt mir die Daumen!
Sportliche Grüße,
Christoph
COUNTDOWN
Morgen ist es endlich soweit. Die "Ein Herz für Hessen"-Tour kann beginnen.
Ob sie ein Erfolg wird?
Jedenfalls finde ich es ganz toll, daß soviele gute Geister hinter den Kulissen mitgeholfen haben, dieses Projekt aus dem Boden zu stampfen. Allen voran Stefan Bahn, Vorsitzender des Fördervereins für das Karussell im Hanauer Staatspark, der von Anfang an in die Planung mit eingespannt war und dankenswerterweise die Pressearbeit übernommen hat. Daß ich überhaupt ein Gefährt für die Tour habe, verdanke ich Boris Latsch von FRM Deutschland,der mir ein sündhaft teures Rad kostenfrei für die Dauer der Tour zur Verfügung gestellt hat. Für mein Outfit konnte ich das Sporthaus Uwe Beyer aus Mainz gewinnen.
Die Sachen sind also gepackt. Ein wenig Muskelkater habe ich noch von meinen Trainingseinheiten der letzten Tage. Heute war Ruhetag angesagt, damit ich morgen frisch die ersten Kilometer angehen kann.
Ich bin sehr glücklich, daß wir für morgen mittag, 13.00 Uhr, eine richtige Pressekonferenz organisiert haben. Und genauso freue ich mich, daß der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky sich bereiterklärt hat, den Startschuß zu geben. Außerdem vor Ort sein wird Christian Rusch, Ortskurator der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.
Unterwegs wird es Gelegenheit für weitere Pressegespräche geben. Termine werden kurzfristig auf der Seite "Zeitplan" bekanntgegeben.
Übrigens geht es bei der Tour nicht um sportliche Höchstleistungen oder geistige Grenzerfahrungen. Ich will das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Spaß haben, nette Leute treffen und gleichzeitig einem guten Zweck nachkommen, der Erhaltung von sanierungsbedürftigen Objekten.
Deshalb habe ich während der Tour auch einige besondere Verabredungen:
Auf Vermittlung des Direktors der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, Karl Weber, werde ich an ausgewählten Stationen die Möglichkeit haben, mir einige der schönsten Gebäude Hessens anzusehen. Vielleicht finde ich ja neue Locations für meine Trauungen.
Morgen abend melde ich mich aus Bad Homburg.
Bis dahin,
Christoph